Was ist eine energetische Sanierung?
Unter einer energetischen Sanierung versteht man Maßnahmen, die den Energieverbrauch eines Hauses senken – vor allem durch bessere Dämmung der Gebäudehülle (Dach, Außenwände, Kellerdecke), modernere Fenster und Türen und eine effizientere Heiztechnik. Ziel sind niedrigere Heizkosten, mehr Wohnkomfort und weniger CO₂-Ausstoß.
Bevor die ersten Handwerker kommen, lässt das Ehepaar Zeidler einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellen. Er ist der Wegweiser durch die Sanierung: Ein zugelassener Energieeffizienz-Experte nimmt den Ist-Zustand des Gebäudes auf, bewertet Schwachstellen und empfiehlt aufeinander abgestimmte Schritte – in sinnvoller Reihenfolge, mit grober Kosten- und Wirkungsabschätzung. So wird aus vielen Einzelentscheidungen ein Plan.
Praxisbeispiel: Familie Zeidler saniert energetisch
Sandra und Alexander Zeidler wohnen zusammen mit Tochter Jasmin in einem geerbten Einfamilienhaus, Baujahr 1972, 150 Quadratmeter Wohnfläche. Die Bausubstanz ist solide – aber die typischen Schwachstellen sind über die Jahrzehnte zum echten Kosten- aber auch Komfortproblem geworden. Räume werden nicht richtig warm, Fußböden und Außenwände fühlen sich im Winter kalt an, die Heizkosten steigen, Behaglichkeit fehlt. Jetzt wollen Sie Ihr Erbstück energetisch sanieren.
Sanierungsfahrplan: Türöffner für höhere Förderungen
Gut zu wissen
Die Erstellung des iSFP wird über die Bundesförderung Energieberatung für Wohngebäude (BEG) bezuschusst. In der Regel erhält man 50 % des förderfähigen Beratungshonorars, maximal 650 Euro bei Ein- oder Zweifamilienhäusern. Und: Wer später Maßnahmen umsetzt, die im iSFP empfohlen sind, kann bei vielen BEG-Einzelmaßnahmen einen zusätzlichen iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten einstreichen – ausgenommen ist jedoch die Heizungstechnik. Zusätzlich kann sich mit dem iSFP die Obergrenze der förderfähigen Kosten bei Effizienzmaßnahmen erhöhen (häufig von 30.000 auf 60.000 Euro pro Wohneinheit).
Welche Förderungen gibt es für energetische Sanierung?
Im Sanierungsfahrplan der Zeidlers stehen drei zentrale Schritte: Austausch der alten Gasheizung gegen eine Wärmepumpe, Dämmung der obersten Geschossdecke und neue Fenster. Das kostet – aber der Staat übernimmt einen spürbaren Teil, wenn man die Programme richtig kombiniert.
Fallbeispiel: Kosten energetische Sanierung Einfamilienhaus im Überblick
- Heizungstausch (Wärmepumpe): 40.000 € Kosten | 16.500 € Förderung | 23.500 € Eigenanteil
- Dämmung oberste Geschossdecke: 5.000 € Kosten | 1.000 € Förderung | 4.000 € Eigenanteil
- Neue Fenster: 20.000 € Kosten | 4.000 € Förderung | 16.000 € Eigenanteil
- iSFP (Energieberatung): 1.000 € Kosten | 500 € Förderung | 500 € Eigenanteil
Unterm Strich kostet die Sanierung 66.000 Euro. Aus eigener Tasche zahlen die Zeidlers 44.000 Euro – und sparen 22.000 Euro dank Förderung und iSFP.
So beantragen Sie die Förderung richtig
Wichtigste Regel: erst planen, dann beantragen, dann beauftragen. Wer zu früh verbindlich unterschreibt oder schon loslegt, riskiert den sogenannten „vorzeitigen Maßnahmenbeginn“ – und damit den Förderverlust.
Praktisch bedeutet das: Holen Sie Angebote ein, schließen Sie einen Liefer- oder Leistungsvertrag nur mit klarer Förderklausel („aufschiebende/auflösende Bedingung der Förderzusage“) ab und reichen Sie dann erst den Antrag ein. Bei BAFA-Zuschüssen läuft die Antragstellung in der Regel direkt über das BAFA-Portal; bei KfW-Krediten wie etwa Effizienzhaus Kredit 261 und Heizungskrediten kommt häufig der Finanzierungspartner (Bank) ins Spiel – inklusive der formalen Bestätigungen eines Energieeffizienz-Experten.
Achten Sie außerdem darauf, dass Maßnahmen und Nachweise zusammenpassen: technische Mindestanforderungen, Rechnungen, Fachunternehmererklärungen, Datenblätter – und beim iSFP, dass die geförderten Einzelmaßnahmen tatsächlich im Fahrplan empfohlen sind, wenn Sie den Bonus nutzen wollen.
Fazit: Lohnt sich eine energetische Sanierung?
Es kommt darauf an, wie viel Energie Sie wirklich einsparen und wie sich Energiepreise entwickeln. Rechnen lässt sich das trotzdem: Teilen Sie Ihren Eigenanteil (bei den Zeidlers 44.000 Euro) durch die erwartete jährliche Ersparnis. Liegt die Einsparung zum Beispiel bei 2.000 Euro pro Jahr, wären das rund 22 Jahre bis zum „Break-even“. Bei 3.000 Euro pro Jahr wären es knapp 15 Jahre.
Dabei geht es nicht nur um die Heizkosten von heute. Der nationale CO₂-Preis hat sich bereits erhöht und 2026 werden CO₂-Zertifikate erstmals versteigert – das verteuert fossile Brennstoffe tendenziell. Gleichzeitig setzt das Gebäudeenergiegesetz bei neuen Heizungen schrittweise auf einen hohen Anteil erneuerbarer Energien – wer frühzeitig modernisiert, gewinnt Planungssicherheit. Und ganz nebenbei: Viele Eigentümer berichten, dass sich der spürbarste Effekt nicht auf dem Kontoauszug zeigt, sondern im Alltag: warme Oberflächen, weniger Zug, besseres Raumklima.
Bei den Zeidlers ist deshalb der nächste Schritt schon im Blick: eine Photovoltaikanlage (optional mit Speicher), um den Wärmepumpenstrom zumindest teilweise selbst zu erzeugen – und so die laufenden Kosten weiter zu drücken.